Die fristlose Kündigung: Worst Case für jeden Arbeitnehmer

In Zeiten von befristeten Arbeitsverträgen, Werk- und Zeitarbeitsverträgen und 450-Euro-Jobs ist die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes keinesfalls in Stein gemeißelt. Im Gegenteil, Arbeitnehmer müssen aus ganz unterschiedlichen Gründen fürchten, bald ohne Job dazustehen. Schlimmer noch, als sich auf die neue Situation einstellen zu können, ist die fristlose Kündigung. Wird sie ausgesprochen, bricht von einem Moment auf den nächsten das komplette Lebensmodell zusammen.

Aus diesem Grund ist es wichtig, sich einmal die Voraussetzungen für eine fristlose Kündigung anzuschauen.

Inhalt:

Was ist eine fristlose Kündigung?

Im Grunde ist die Definition selbsterklärend: Wenn eine Kündigung fristlos ausgesprochen wird, fehlt dem Arbeitnehmer (theoretisch auch dem Arbeitgeber, der ebenfalls betroffen sein kann, dies aber eher selten ist) jegliche Möglichkeit, sich mit der neuen Situation anzufreunden.

Normalerweise haben Arbeitnehmer im Falle einer ordentlichen Kündigungsfrist die Möglichkeit, alles in die Wege zu leiten, um schnell einen neuen Job zu finden. Da diese Kündigungsfrist hier entfällt, fühlen sich Betroffene zu Recht unter starkem Druck und müssen so schnell wie möglich etwas Neues finden.

Ist die fristlose Kündigung so etwas wie die außerordentliche Kündigung?

Ganz klar: nein. Schon deshalb nicht, weil im Falle eine außerordentlichen Kündigung durchaus Kündigungsfristen einzuhalten sind. Mögliche Gründe für eine außerordentliche Kündigung sind die Folgenden:

  • Betriebsbedingte Gründe
  • Verhaltensbedingte Gründe
  • Personenbedingte Gründe

Ohne diese drei Gründe weiter vertiefen zu wollen, kann man sagen, dass betriebsbedingte Gründe etwa eine miserable Auftragslage oder gar die Insolvenz sein können. Verhaltensbedingte Gründe können Beleidigungen durch Arbeitnehmer sein, aber auch Diebstahl oder die Annahme von Schmiergeldern. Personenbedingte Gründe liegen vor, wenn z. B. häufige Krankheit oder eklatante Charakterschwächen vorliegen (wer auch immer das beurteilen mag, muss womöglich durch einen Richter entschieden werden).

Zusammenfassung: Eine außerordentliche Kündigung muss keine fristlose Kündigung sein, die fristlose Kündigung ist aber immer eine außerordentliche Kündigung.

Welche Voraussetzungen müssen für eine fristlose Kündigung gegeben sein?

Bevor eine fristlose Kündigung ausgesprochen werden kann, müssen fünf Hürden genommen werden.

 

Erheblicher Pflichtverstoß bzw. erheblicher Verdacht

Dem Vertragspartner (also Arbeitnehmer oder Arbeitgeber) müssen schwere Verstöße gegen seine Pflichten des Arbeitsvertrages nachgewiesen werden, die dem Warten auf die Kündigungsfrist widersprechen.

Denkbar ist auch die sogenannte „Verdachtskündigung“, wenn der dringende Verdacht eines massiven Verstoßes vorliegt.

Rechtswidrigkeit und Verschulden

Der Verstoß gegen die geltende(n) Pflicht(en) muss rechtswidrig sein, rechtfertigende Umstände dürfen nicht vorliegen.

Darüber hinaus muss der Pflichtverstoß schuldhaft begangen worden sein, also vorsätzlich oder mindestens fahrlässig.

Kein niedrigeres Mittel denkbar bzw. eine schlechte Prognose

Die sofortige Beendigung des Vertragsverhältnisses muss verhältnismäßig sein, eine Verbesserung des Verhältnisses muss also laut „Prognoseprinzip“ ausgeschlossen sein.

Sogenannte „mildere Mittel“ können eine Versetzung, eine Abmahnung oder eine Änderungskündigung sein.

Abwägung der Interessen

Bei der Betrachtung zweier Seiten müssen immer beide berücksichtigt werden. In diesem Fall bedeutet das, dass die Interessen des Kündigenden an einer sofortigen Kündigung die Interessen der anderen Seite überwiegen.

Die Einhaltung der Frist von zwei Wochen

Für den Kündigenden gibt es ab Kenntnis aller Umstände, die er für die Begründung der fristlosen Kündigung geltend macht, eine Frist von zwei Wochen.

Zusammenfassung: Nur wenn alle fünf der genannten Punkte zutreffen, ist eine fristlose Kündigung möglich.

Etwas genauer: Gründe für die fristlose Kündigung

Es würde den Rahmen dieses Textes sprengen, alle Gründe aufzuzählen, mit denen sich eine fristlose Kündigung begründen lässt. Dennoch sollten hier einige genannt werden. Im konkreten Einzelfall ist es jedoch sinnvoll und häufig unverzichtbar, einen Rechtsanwalt einzuschalten.

Gründe für Arbeitgeber:

  • Vermögensdelikte, also etwa Unterschlagung, Diebstahl oder Betrug
  • Beleidigung von Kollegen, Vorgesetzten oder Kunden
  • Tätliche Angriffe
  • Sexuelle Belästigung
  • Arbeitszeitbetrug
  • Spesenbetrug
  • Vortäuschen von Arbeitsunfähigkeit (ungerechtfertigte „Krankschreibung“)

Arbeitnehmer sprechen zwar seltener eine fristlose Kündigung aus, wenn das aber der Fall ist, dann hängt es meist mit erheblichen Zahlungsrückständen des Arbeitgebers zusammen.

Was kann man als Arbeitnehmer tun, wenn die fristlose Kündigung ausgesprochen wird?

Wird die Kündigung fristlos ausgesprochen, muss der Arbeitnehmer schnell handeln. Es steht die Frage im Raum, ob Sie als Betroffener mit einer Kündigungsschutzklage gegen den Schritt Ihres Arbeitgebers vorgehen wollen. Für die Beantwortung dieser Frage haben Sie nur wenig Zeit.

Sie haben drei Wochen ab Erhalt der Kündigung Zeit, sich für eine Kündigungsschutzklage zu entscheiden. Lassen Sie diese Frist verstreichen, wird automatisch davon ausgegangen, dass die Kündigung berechtigt war bzw. ein wichtiger Grund vorlag.

Nach dem Ende der Dreiwochenfrist wird übrigens auch davon ausgegangen, dass sich der Arbeitgeber an die Zweiwochenfrist gehalten hat, von der weiter oben die Rede war.

Reflexartig reagieren viele Arbeitnehmer eher resignierend auf die fristlose Kündigung. Der Grund: Sie gehen davon aus, dass selbst eine erzwungene Weiterbeschäftigung durch die Entscheidung eines Arbeitsgerichts nichts Gutes bedeuten kann. Das ist nachvollziehbar, denn in aller Regel geht mit der fristlosen Kündigung ein Zerwürfnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einher. Die weitere Zusammenarbeit scheint ausgeschlossen und wenig sinnvoll.

Allerdings ist das ein wenig zu kurz gedacht. Denn eine Kündigungsschutzklage kann auch die Auszahlung einer Abfindung für den Arbeitnehmer zur Folge haben. Wenn jedoch die dreiwöchige Frist verstrichen ist, ist an eine Abfindung nicht mehr zu denken, weitere Schritte in diese Richtung wären also aussichtslos.

Doch es gibt noch einen weiteren Grund, eine Kündigungsschutzklage anzustreben. Beim erfolgreichen Ausgang dieser Klage erhalten Sie als Arbeitnehmer ein besseres Zeugnis und ein reguläres Austrittsdatum, was Ihnen die Suche nach einem neuen Job erleichtern kann.

Im besten Fall haben Sie eine Rechtsschutzversicherung oder eine Vertretung durch eine Gewerkschaft. Unter Umständen können Sie auch auf Prozesskostenhilfe hoffen, wenn die wirtschaftlichen Voraussetzungen vorliegen. In jedem Fall sollten Sie aber die Aussicht auf Erfolg im Falle einer Kündigungsschutzklage prüfen lassen.

Zusammenfassung: Im Falle einer fristlosen Kündigung sollten Sie als Arbeitnehmer in Betracht ziehen, eine Kündigungsschutzklage anzustreben. Bei den Erfolgsaussichten kann Ihnen eine Rechtsschutzversicherung, eine Gewerkschaft oder ein Anwalt helfen. Eventuell kommt auch Prozesskostenhilfe in Frage.

Wie reagiert die Agentur für Arbeit auf die fristlose Kündigung?

Sie müssen davon ausgehen, dass die Arbeitsagentur Ihnen eine Sperrzeit von 12 Wochen auferlegt, wenn zuvor eine fristlose Kündigung ausgesprochen wurde. Die Agentur für Arbeit geht von einem arbeitsvertragswidrigem Verhalten Ihrerseits aus, wenn ihr keine anderen Informationen vorliegen.

Auch aus diesem genannten Grund sollten Sie eine Kündigungsschutzklage angehen, die Arbeitsagentur kann dann nicht einfach davon ausgehen, dass Ihr Arbeitgeber im Recht ist. Zudem scheuen viele Arbeitgeber Arbeitsgerichte und streben einen Vergleich an, wenn ein Prozess droht. Womöglich kann also aus einer fristlosen Kündigung eine andere Form der Entlassung werden, was für Sie mildere Konsequenzen haben kann. Die Chancen auf eine Abfindung sind zwar meist gering, aber ein Zeugnis und ein reguläres Austrittsdatum wirken sich durchaus vorteilhaft für Sie aus.

Insbesondere, wenn Sie auf Arbeitslosengeld angewiesen sind und/oder ein Zeugnis benötigen, das Ihnen die Suche nach einem neuen Job erleichtert, sollten Sie möglichst versuchen, aus einer fristlosen eine andere Form der Kündigung zu erstreiten. Im besten Fall schwächt der Arbeitgeber seine Vorwürfe ab und gibt Ihnen ein Zeugnis mit auf den Weg, das Ihre Chancen verbessert, neu Fuß zu fassen.