Ampelschaltungen können mächtig am Nervenkostüm zerren. Scheinbar ewig steht die Ampel auf Rot, wir sitzen im Wagen, warten, werden unruhig und irgendwann wütend. Aber einfach losfahren geht ja schließlich auch nicht. Oder etwa doch?

Rote Ampel: Wenn’s mal etwas länger dauert …

Es ist Abend. 22.00 Uhr. An der Ampel in Hamburgs Innenstadt stehen zwei Autofahrer. Sie warten. Und warten. Und warten. Doch die Ampel springt nicht um, hartnäckig zeigt sie sich von ihrer roten Seite. Nach fünf Minuten hat der eine der beiden Fahrer die Nase voll und fährt los. Dummerweise wird es dabei beobachtet und hat zwei Wochen später einen kräftigen Bußgeldbescheid im Briefkasten. Doch so einfach aufgeben will er nicht.

Was ist als Wartezeit „angemessen?

Eine angemessene Wartezeit, so so. Was soll das sein, fragte sich der Autofahrer, der nicht länger warten wollte. Der Richter erklärte ihm und seinem Anwalt, dass man schon mindestens fünf Minuten warten müsse, sonst kann die Fahrerlaubnis futsch sein. Vor Gericht konnten Fahrer und Anwalt nachweisen, dass der Fahrer sogar ein bisschen länger gewartet hatte (mit im Wagen saß ein Kunde, den der Fahrer mit zum Bahnhof genommen hatte, er bezeugte die Version des Fahrers).
Die Sache ging also glimpflich aus.
Was allerdings nicht übermittelt ist: ob der andere Fahrer irgendwann losgefahren ist oder womöglich noch immer an der Ampel steht.